Onlinetagebuch zur Expeditione durch den Karpaten-Alpen-Korridor

5.Woche

Slowakei Österreich
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28.Mai

Wir haben am Samstag von dem Jäger Johann die Grotte als Lagerplatz im Wald empfohlen. War ein super Lager und ungewöhnlich. Es hatte die letzte Nacht wieder heftig geregnet.

Obwohl heute ein Ruhetag ist, habe ich mich entschiede heute noch nach Hornstein zu laufen, um morgen weniger weit laufen zu müssen.

Johann ist von der Gloggnitzer Jägerrunde und ist als Jäger von unserem Projekt und der Idee die dahinter steckt begeistert und hat uns am Nachmittag bei unserem Lager am Friedhof unterhalb einer alten Burgruine besucht. Am Mittwoch werden wir von der Jägerrunde in Kranichberg erwartet. 

Wir haben eine gute Aussicht auf die Alpen, die nach der Durchquerung der Ebene bevorsteht. Den letzten Zipfel der Karpaten haben wir heute sozusagen erreicht.

Jetzt genießen wir noch den Ruhetag und die Leckereien die uns Johann und Magreth mitgebracht haben.

Wenn die Schuhe drücken zieht man sie aus, ist doch logisch. Christa in Socken.

29.Mai

Heute haben wir die Karpaten verlassen. und wandern im Regen durch die Ebene zwischen dem Leithagebirge und dem Rosaliengebirge. Eine Landschaft, die von zwei Autobahnen durchschnitten ist. Im Moment noch eine Barriere für alle Wildtiere.

Beide Autobahnen sollen allerdings für Wildtiere mit Hilfe von Grünbrücken durchlässig gemacht werden.

Aus meiner Sicht, muss zusätzlich noch eine Wiederaufforstung zumindest in Form von "Trittsteinen" für Wildtiere entwickelt werden. Die Baumreihen als Windschutzstrukturen entlang der Felder, würde ich schon als Hilfe für Wildtiere betrachten, sind aber nicht ausreichend.

In Pöttsching sind Michael Proschek vom WWF Österreich und Fritz Völkl von der Österreichischen Bundesforste AG zu uns gestoßen und haben uns bis zum Lager bei Wiesen begleitet.

30.Mai

Um 10:00 war eine Pressekonferenz zum Grünbrückenstandort Sigles mit Dem WWF Österreich, der österreichischen Bundesforste AG, der ASFINAG und dem ehemalige Jagdobermeister aus der Region. Einstimmig wurde deutlich, wie wichtig alle Beteiligten die Entwicklung des Korridors zwischen den Alpen und dem  Leithagebirge und in der Verlängerung bis in die slowakischen Karpaten ist.

Wir sind danach von Wiesen erst nach 12:00 aufgebrochen und um ca. um 19:00 in Bromberg eingetrudelt. Es ist merklich abgekühlt und Temperaturen unter 5°C in der Nacht sind zu befürchten.

Wir haben heute einen Schwarzstorch aus ca. 25m im Baum beobachten können. Sehr schön und recht seltene Begebenheit.

Hier kommt jetzt Ulrikes und Christas Beitrag zum Tagebuch.

Wolfsweg-Survival-Lexikon:

Rüdiger Nehbergs Survival-Lexikon ist out, ab jetzt gelten die Tipps vom Wolfs-Team Peter, Hans-Jörg und Jürgen.

Tipp Nr. 1: nasse Socken müssen im Schlafsack, am Körper trockengeschlafen werden.

Tipp Nr. 2: gegen kalte Füße, Wollsocken und Neoprenüberzieher.

Tipp Nr. 3: beste Aufwärmungsmethode – Ganzkörperwäsche im eiskalten Fluss. Gefühlte Temperatur danach – 30 Grad plus.  

Tipp Nr. 4: Die Schmerztherapie - in den Schmerz hineinatmen.

Tipp Nr. 5: kreatives Beschwerdemanagement: „Was wollt ihr? Ihr habt Adventure gebucht!“

Weitere Tipps sind zu befürchten......

Tagesspruch: Wir sind am Ende des Winters aufgebrochen und kommen am Anfang des Winters hier an.

 

31.Mai

Von Bromberg sind wir heute bis nach Kranichberg gewandert. Der Anfang war sehr leicht und wir haben herrliches Wetter, die Luft war allerdings recht kühl. Im letzten teil mussten wir dann durch den Wald auf ca. 850m ansteigen. Unterwegs haben wir wieder einen Schwarzstorch gesehen. Der Wald verändert sich. Hier steht wieder mehr Hochwald und es gibt fast keine Mücken. Bei Warth verläuft die Autobahn in Nord-Süd Richtung. Sie steht aber auf mehreren Brücken und sollte damit für Wildtiere passierbar sein. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass unter den Brücken nicht alles zum Siedlungsgebiet umfunktioniert wird.

In Kranichberg angekommen, wurden wir dem Bläsern der Jägerrunde Gloggnitz begrüßt und zum Abendessen eingeladen. Johann hat alles organisiert.

Es war ein toller Abend und sehr sättigend.

Ich halte es für ausgesprochen wichtig ersten die Sichtweise der Jäger zum Thema meiner Arbeit zu erfahren und habe mich über die interessierten und lockeren Gespräche sehr gefreut. Der randalierende Bär war natürlich ebenfalls ein Gesprächsthema. 

Die Wichtigkeit des natürlichen genetischen Austausches und der Wanderbewegungen wurde besonders betont. Für alle Wildtiere.

Ich bin sicher es wird nicht unser letzte gemeinsame Gesprächsrunde in geselliger Atmosphäre gewesen sein.

dort durch sind wir gelaufen, dort werden zwei Grünbrücken. Im Hintergund das Leithagebirge.

01.Juni

Trotz der schlechten Wetterprognosen schien die Sonne und Christa ist mit mir vom Friedhof aufgebrochen um Semmering zu erreichen. Es war eine herrliche Tour über Raach, Maria Schutz und irgendwann standen wir sozusagen über der Autobahn bzw. der S6, die genau unter unserem Wanderweg durch den Berg geführt wird.

Semmering selber ist ein reiner Touriort, an dem die Natur nur noch Kulisse ist.

Dort haben Hans, Jürgen und Ulrike auf uns gewartet. Ulrike wollte ihre Blase schonen und nicht mit nassen Schuhen laufen. Jetzt waren sie trocken und wir ging von Semmering hoch zur Kampalpe, wo wir mit Tarp übernachten. Ein schöner Wanderweg, der sich aber ordentlich zieht. gegen 17:30 waren wir oben und ein ziemlich kalter Wind pfiff über die Almwiesen. Der Himmel verdunkelte sich und nachdem wir endlich einen Lageplatz gefunden hatte haben wir schnell das Tarp aufgebaut. Kaum das wir fertig waren fing es tatsächlich an zu schneien, nur ganz leicht als Graupel.

Ulrike habe ich meine Warmwohlfühljacke gegeben, denn Ihr Schlafsack ist schon bei 5°C unzureichend. Wir haben uns in unsere Schlafsäcke gekuschelt, nach der warmen Suppe und noch lange gequatscht.

 

02.Juni

Erst ist es nebelig um 5:00 Morgens und gegen 6:30 fängt es wieder an zu schneien. richtig nasskalt, sehr ungemütlich. Wir haben nur noch wenig Wasser, und wir mussten feststellen, dass es auf der gesamten Strecke runter nach Kapellen kein Wasser gab. Selbst an den Hütten die wir passiert haben gab es kein Wasser, und ein Förster hat es bestätigt.

Ich dachte eigentlich, dass wir nach 1,5 Stunden unten sind. Weit gefehlt, der Weg zog sich lange hin und nahm fast jede Kuppe mit. Um 10:30 wollte ich unten sein, gegen 12:00 waren wir unten.

Zwischen durch hat es immer ein wenig geregnet. In Kapellen angekommen regnete es sich richtig ein. Da Jürgen und Hans nördlich von Kapellen eine Lagerplatz vom Forstbeamten bekommen haben, musste ich Jürgen rufen denn die nächsten 7km entlang der Bundestrasse bis nach Krampen wollte ich nicht mit dem Rucksack laufen, außerdem hatten wir ja kein Wasser mehr.

Ulrike und ich sind dann entlang der Strasse gewandert. In Krampen wollte ich alleine weiter über Hinteralm. Ulrikes Schuhe waren völlig durchweicht. Jürgen uns Hans haben mich dann überzeugt, dass ich bis nach Mürzsteg laufen sollte und von dort am Samstag über die Hügel nach Mariazell. Insbesondere bei dem Wetter kürzer und viel angenehmer zu laufen. Also bin ich nach Mürzsteg getigert und von dort geht es morgen weiter. Wenn das Wetter so bleibt, werden wir schon am Samstag Abend in Mariazell ankommen.

be happy

03.Juni

Es regnete die ganze Nacht. Da mein Extrem Tarp noch nass war, habe ich es über mein Zelt gespannt, was den Vorteil hatte, dass ich den Eingang offen lassen konnte.

Da keine Besserung des Wetters in Sicht ist, und die Bäche überquellen, die Wiesen unter Wasser stehen, habe ich mich dazu entschieden heute bis Mariazell zu laufen. Christa ist mitgekommen, Ulrike hatte sich mit ihren patschnassen Schuhen Blasen gelaufen.

Leider war auch kaum Sicht und mit dem Regenzeug sieht und hört man kaum etwas von der Umgebung.

Diese letzte Strecke nach Mariazell hat nochmals meine Orientierungsfähigkeit und unser Schuhwerk gefordert.

Bei dem konstanten Regen, waren natürlich alle Spuren die eventuel von einem Bären hätten sein können hin und weggespült.

Jedenfalls sind wir ca. um 16:00 in Mariazell angekommen und jetzt sitze ich in einer kleinen Pension.

Morgen um 17:30 halte ich im Hotel Goldenes Kreuz einen Vortrag über die Erlebnisse und Ergebnisse der Expedition.

 

04.Juni

Um 6:30 bin ich schon mit der Shira spazieren gegangen. Es war wogl der einizige Moment am heutigen Tag, an dem es nicht geregnet hat.

An dem spontanen Vortrag habe ich bis 17:20 gearbeitet, und dann ist der Komputer mit der Power Point Präsentation abgestürz. Da ich in 10min nicht in der Lage war, Vortrag wieder wunschgemäß zum laufen zu bringen, musste ich improvisieren, und habe mir spontan Bilder herausgesucht in einer halbwegs logischen Abfolge. Wir haben derzeit ca. 3000 Bilder von der Expedition.

Ein Eis zum Abschluß.

Danch haben wir uns in den Landrover gestopft und sind in der Nacht zurück nach Deutschland gefahren.