Onlinetagebuch zur Expedition durch den Karpaten-Alpen-Korridor

2.Woche

Slowakei Österreich
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07.Mai

Die Ankunft von Thomas, Anja und Johannes war heute etwas chaotisch. Das hat dazu geführt, dass alle warten mussten. Anja war schon um 8:30 da, was ich um 10:00 erfahren habe. Thomas kam 2 Stunden früher als geplant, was wir aber erst erfahren haben, als wir Anja schon abgeholt hatten. Johannes sollte ursprünglich ca. 30min nach Thomas eintreffen, kam dann aber erst gegen 22:30 an.

Er hat noch schnell eine Wurst gegrillt, bevor er dann müde im Zelt verschwunden ist. Eigentlich wollten wir nur einmal nach Zilina fahren und dort halt warten bis alle da sind. So mussten wir am Ende drei mal fahren. Armer Hans, der jedes Mal losgedüst ist.

Am Lager war es weniger spannend. Nur 250m vom Lager war eine Wolfslosung und ansonsten konnten wir nicht viel machen, außer reden uns sonnen halt eben den Ruhetag genießen.

 

 

08.Mai

 

In dieser Woche werden wir etwas nördlicher und dann schon früh an der Grenze entlang wandern müssen. Das kostet uns eigentlich einen ganzen Tag mindestens. Deswegen sind wir heute und werden morgen ohne Rucksack wandern um Strecken leichter zurücklegen zu können. Von Mittwoch bis Freitag sind wir dann außerhalb der Reichweite des Backup Teams. Entlang der Grenze gibt es praktisch nur Wald und kaum irgendwelche besiedelten Gebiete. Das wird ausgesprochen spannend.

Heute war die Strecke doch überraschend einfach. Wir haben auf dem Weg Spuren und Losungen von Wolf und Bär gefunden. Im Moment befinden wir uns auf einem Hügel Östlich von Kysucke Nove Mesto. Zilina und die Entwicklungsachse bis zu dieser Stadt stellt für viele Wildtiere eine fast unüberbrückbare Barriere dar. Eventuell gibt es zwei kleine schmale Stellen, die doch noch passierbar sind. Ein genaues Monitoring wäre aber notwendig.  Nur im Norden ist eine gute Passiermöglichkeit. Der im Moment letzte deutliche Hinweis auf einen Bären ist nur 2km Luftlinie von unserem Lager entfernt. Ich würde mich allerdings nicht wundern, wenn die Obstbäume in Stadtrandgebiet im Sommer/Herbst von Bären besucht werden würden.

Am Abend habe ich noch die Marmot und Expedausrüstung vorgeführt, danach haben wir am Lagerfeuer gesessen und ich habe ein wenig auf meiner Mundharmonika gespielt.

09.Mai

Ein kalter Wind wehte mir in der Nacht um die Ohren. Ich habe auf dem Autodach geschlafen. Nach dem eher ruhigen ersten Tag steht heute eine lange Strecke an. Zunächst durch die Stadt und dann gleich 330m steil den Berg hoch. Wir sind nochmals ohne schweren Rucksack unterwegs. Wir kommen ausgesprochen schnell voran. 

Wir finden ein unvollständige Spur die von einem Wolf sein könnte. Etwas später eine alte Losung mit Haaren von Reh oder Hirsch die von einem Wolf stammen könnte. Also Wolf eventuell. Es fing leicht an zu regnen war aber recht warm. Eigentlich eine schöne Erfrischung, solange es nicht stärker regnet. Von allen Seiten kamen  dunkle Regenwolken, doch wir hatten Glück und wanderten genau hindurch ohne einen rechten Guss abzubekommen. Die Wege waren zum größten Teil  nicht gut für Spuren geeignet, schon zu trocken und hart, oder dort wo sie weich waren sind Motocrossbiker durchgepflügt oder Tracktoren. Jedenfalls hatte wir eine super Aussicht über bewaldete Hügel mit einer ganz dünnen Infrastruktur, alte Bauernhäuser und kleine einsame Dörfer. Drei Rehe sprangen durch den Busch und beschwerten sich später über die Ruhestörung.

Erst am Nachmittag entdeckte ich endlich wieder eine Bärenspur, und 2 Stunden später noch eine. Ich bin sicher, es gibt hier auch Wölfe und Luchse. Anders als bisher haben wir jetzt viel mehr Rehspuren und weniger Rotwild.

Um 17:00 nach 8 Stunde kommen wir an. Hans und Jürgen haben schon einen Lagerplatz gefunden.  In der Nähe von Semetes am Sattel.

10.Mai

Die nächsten drei Tage sind wir mit unsere Rucksäcken unterwegs und durchwandern ein sehr dünne besiedeltes Gebiet entlang der slowakisch tschechischen Grenze.

Die Siedlungen die wir sehen oder teilweise passieren werden immer kleiner und seltener. Immer wieder, speziell dort wo viele Fichten stehen liegen die von der Schneelast abgebrochenen Spitzen der Fichten herum oder Bäume versperren den Weg. Dadurch müssen wir immer mal wieder ausweichen durch den Wald.

Wir steigen auf bis knapp über 1000m. Ein kräftiger kühler Wind bläst und von dem morgendlichen strahlend blauen Himmel ist bald nicht mehr viel zu sehen.

Wir können immer wieder weit über die bewaldeten Hügel in alle Richtungen sehen, doch Spuren von Wolf, Bär oder Luchs haben wir heute keine gefunden. Lediglich alte Losungen, die Haare von Reh oder Hirsch beinhalteten, ich aber keinem Tier sicher zuordnen konnte. Wir hatten zwei Hinweise die eventuell vom Luchs sein könnten, und einen Hinweis der relativ sicher vom Wolf, oder Luchs war. Nur war die Losung schon zu alt und nicht mehr vollständig um es genau sagen zu können, aber voll mit Reh/Hirschhaaren. Tendenziell würde ich eher auf Wolf tippen. Das war kurz vor der Grenze

Unser Lager war auf einer fast freien Hügelspitze in einer kleinen Senke. Super Ausblick, Wasser war direkt unterhalb von uns. Wir sind auf 1000m Höhe und haben beide Tarps aufgebaut.

Rehe sind auf der Wiese.

11.Mai

Strahlend blauer Himmel und wir könne Tarps und Schlafsäcke während dem Frühstück lüften und trocknen. Leider ist der Boden so trocken, das Spuren kaum noch sichtbar sind. An dieser Stelle möchte ich darauf Hinweisen, dass  wir meistens innerhalb eines Schutzgebietes wandern.

Jetzt geht es genau auf der Grenze entlang. Es ist anfangs heiß doch dann kommen immer mehr Wolken auf. Das nächste ursprünglich geplante Lager, ebenfalls auf der Grenze ist nicht sehr weit. Eine kleine Wiese, und entlang der Strasse finden wir auf Wasser an einem alten Bauernhof. Hier hängt ein Schild, dass die Jagd auf Wolf, Bär und Luchs verboten ist. Deswegen gehen wir davon aus, dass zumindest sporadisch eines der Tiere hier unterwegs ist. Spuren oder Hinweise finden wir heute allerdings nicht. Da es noch recht früh ist, hat trotz des schweren Rucksackes keine Lust auf der kleinen unschönen Wiese zu campieren. Also entscheiden wir uns noch 3km steil berghoch zulaufen um eventuell auf der Spitze einen Lagerplatz zu finden. Ich habe meine argen Zweifel, aber man weiß ja nie. In Schweiß gebadet und mit müden Knochen und hängender Zunge erreichen wir die Spitze. Ein trockener Sitzplatz ist vorhanden aber als Lagerplatz ist es sehr unbequem und uneben. Nach Besichtigung der Wanderkarte wollen alle zur nächsten Wiese runter, trotz meiner Einwände, dass diese Wiese eventuell völlig verbuscht ist. Wir steigen ab, und irgendwie verläuft der markierte Wanderweg anders als auf der Karte. Nach ca. 1 Stunde ereichen wir eine traumhaft schöne Wiese, der Bauernhof unterhalb ist unbewohnt, und Wasser ist ebenfalls in der Nähe.

 

12.Mai

Da wir gestern weiter gewandert sind als geplant schicke ich Jürgen und Hans eine SMS, dass wir heute schon um 11 Uhr im Dorf Lysa sein werden. Pünktlich um 11:05 erreichen wir den Wagen und nehmen ein zweites Frühstück. Mein Hand ist fast leer und beim laden entdecke ich, dass es sich nicht mehr laden lässt. Ein Glück, dass ich meine alten Handy als Ersatz noch dabei habe. Wegen dieser Probleme wandern wir erst um 12:30 weiter ohne Gepäck über Zubak nach Lednica. Eine schöne halboffene Landschaft mit vielen blühenden Obstbäumen. zwischen den Dörfern müssen wir immer über einen bewaldeten Kamm. deutliche Spuren von Wölfen, Bären oder Luchsen finden wir keine. Dafür steht in Lednica eine Infotafel mit Bildern von Wildtieren. Dazu gehören auch Bilder von Luchs und Wolf. Von der Landschaftlichen Struktur und der Anbindung an weitere Wälder sehe ich keinen Grund warum es diese Tierarten hier nicht geben sollte. Menschliche Barrieren waren bisher nur Städte mehr im Norden unserer Strecke, die aber noch leicht umgangen werden können.

Diese dörflichen Strukturen hier in der Region stellen keine Barriere oder direkte Bedrohung dar.

13.Mai

Unser Lager war auf einer Wiese, neben Schafstallungen. Es ist für Hans und Jürgen wirklich nicht einfach Stellen zu finden, an denen wir mit Zelten übernachten können.

Es ist der letzte Wandertag der zweiten Woche und wir kommen Trencin recht nah. Laut meiner Planung hängen wir im Zeitplan etwa einen Tag. Die heutige Strecke führt eigentlich wieder durch eher sehr dünn besiedelte hügelige Waldgebiete. Sehr unangenehm wurde eine längere Strecke durch das Dorf Vrsatske-Podhradie auf Asphalt in der Sonne. Dafür sind hier aus den Wäldern herausstehende Felsformationen die neben den Blumenwiesen und den Holzhäusern sehr idyllisch wirken.

Unser letzte Camp diese Woche ist 19km von Trencin bei Horne Srnie auf eine wilden Wiese, direkt an einem Bach, am Rand eines Schutzgebietes. Die Forststrasse direkt daneben wird allerdings oft genutzt. Bisher hat aber niemand etwas gesagt. Hans und Jürgen haben zuvor gefragt, ob wir auf dieser Wiese für zwei Nächte unsere Zelte aufschlagen können.